Erste Testfahrt mit der Rotary R.12.

GROSSES BAHNMÄRCHEN IN REALP

(aktualisiert am 14.12.2020, 10 Uhr)

SCHÖNSTER LOHN FÜR VIEL ARBEIT UND AUSDAUER

Vermutlich haben sich Martin Horath und sein R.12.-Team nicht in ihren kühnsten Träumen ausmalen können, wie die erste Fahrt nach der 18 Jahre dauernden Aufarbeitung ihrer Dampfschneeschleuder R. 12. (ex. RhB) von 1913 tatsächlich aussehen könnte. Aber gleich so eindrücklich?

Am 11. Dezember 2020 haben er und seine Leute sowie viele Freiwillige und Angestellte der DFB die Gunst der Stunde bzw. den vielen, in ordentlichen Mengen gefallenen Schnee genutzt, um der «Rotary» einmal die «Sporen zu zeigen», wie Horath sich ausdrückte. Auf dem untersten Abschnitt der DFB-Strecke bis in den 110-Promille-Abschnitt haben sie mit der DFB-Dampflok F.O. HG 3/4 Nr. 4, ebenfalls von 1913, gemeinsam ein Teilstück der im Winter nicht genutzten Bahnlinie «probeschleudern» können. Es gab ein eindrückliches Schneegestöber; das Schleuderrad dreht sich mit 150 Umdrehungen pro Minute . . .

Neben dem erfolgreichen Einsatz kam hinzu, dass auch ausgewählte Bahnfotografen, so auch Franz Geisser, und ein fabelhafter Filmemacher, Olivier Purtschert, eingeladen wurden, diese Probefahrt festzuhalten. Was nun für alle zu sehen ist, gehört wohl bald zu den historischen Ereignissen und Legenden auf Schweizer (Schmalspur-)Bahnschienen:
Eine Film und eine Bilderserie mit Mensch, Maschine und Natur für die ganz grosse Kinoleinwand!

NAH DRAN UND SOGAR DRIN MIT DEM FILM VON OLIVIER PURTSCHERT

BILDERGALERIE VON FRANZ GEISSER – JEDES BILD EIN GENUSS

EIN VOLLER ERFOLG – NUR KLEINE NACHBESSERUNGEN NOTWENDIG

Projektleiter Martin Horath stuft die Testfahrt als «vollen Erfolg» ein. Über die Wintermonate werden er und sein Team noch kleine Nachbesserungen am Schleuderrad und am Kessel ausführen.

Zu seinem Kurzbericht geht's hier:

WO GIBT ES SONST SOLCHE SCHLEUDERN?

(Der nachfolgende Beitrag stammt aus ungesicherten Quellen)

VIER BETRIEBSFÄHIGE, KOHLEBETRIEBENE «ROTARIES» WELTWEIT

Auf dem Papier erfunden wurde die Schneefräse mit quer zum Gleis rotierender, mit Dampf angetriebener Schneewalze («Rotary») offenbar durch den kanadischen Zahnarzt J.W. Elliot 1869, welcher sein Patent später den kanadischen Gebrüdern Leslie weiterverkaufte, welche Prototypen herstellen liessen und auf Ihre Konstruktion im April 1884 ein weltweit gültiges Patent anmeldeten. In der Folge wurden weltweit durch verschiedene Maschinenwerke Schneeschleudern nach dem «Patent Leslie» hergestellt.

Während noch zahlreiche Dampffschneeschleudern vorhanden sind, gibt es weltweit aber nur noch vier, die auch museal zur Schneeräumig auf den Bahnlinien eingesetzt werden können:

Zwei von ihnen befinden sich in der Schweiz: eine bei der DFB, die andere bei der Rhätischen Bahn.
Jene der DFB ist mit einem kleinen Hilfsantrieb für Manöverfahrten ausgestattet, wogegen jene bei der RhB sogar gänzlich selbstfahrend ist, was zusätzlich eine grosse technische Spezialität darstellt und die Meisterschaft der Winterthurer Maschinenbau-Industrie um 1910 darstellt. Sie ist aktuell aber wohl für längere Zeit in der RhB-Hauptwerkstätte in Revision (Stand Dezember 2020).

Die anderen zwei Rotaries befinden sich jenseits des Atlantiks bei der «Cumbres & Toltec Scenic Railway» (Kurzfilm) und eine weitere am «Whyte Pass and Yukon Route Railway» (Kurzfilm)

Eine grosse Liste mit Dampfschneeschleudern, vor allem in den USA, findet sich hier.

Zudem gibt es in den USA noch weitere, dieselbetriebene Rotaries, z.T. handelt es sich hierbei sogar um Umrüstungen aus den 1950er Jahren alter, mit Kohle betriebener Schleudern. Ein Beispiel vom «Donner Pass» in Californien findet sich im eindrücklichen Film hier.

NOCH VORHANDENE ROTARIES IN EUROPA

DFB-Mitarbeiter Tobias Hardmeier hat per Facebook eine Umfrage durchgeführt mit dem Ziel, eine Liste der in Europa in Museen oder auf Abstellgleisen noch vorhandenen Rotaries zu erhalten, welche nach aktuellem Wissensstand meist im Freien abgestellt und nicht mehr betriebsfähig sind.
Entstanden ist eine interessante Fahrzeugliste mit ihren Standorten!

Während die drei von einstmals vier vorhandenen Schweizer Schmalspur-Dampfschneeschleudern bei der SLM in Winterthur in der Schweiz hergestellt worden waren, stammen die anderen, normalspurigen von Henschel & Sohn in Kassel, den Schichau-Werken in Elbling (beide Deutschland) und von der Skabo Jernbanevognfabrik Skøyen (Norwegen).

Nachfolgend die aktuelle Auflistung, wo sich noch «Rotaries» in Europa finden:

Ergänzungen und Korrekturen zu dieser Liste
sind herzlich unter folngendem Button willkommen: